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Nicht zu weit aus dem Fenster lehnen – Was man beim Autokorso besser beachten sollte

Im kollektiven Trubel des Jubels der Fußball-Europameisterschaft schlagen Autofahrer schon mal über die Stränge. Aber auch dabei sind die Verkehrsregeln nicht außer Kraft gesetzt. Doch die Polizei hat einen weiten Ermessenspielraum zu entscheiden, wann sie einschreitet.

Handelt es sich um kleinere Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, wie das Nichtanlegen des Gurtes bei erwachsenen Fahrzeuginsassen oder dem obligatorischen sinnfreien Hupen und Blinken, drücken die Ordnungshüter jedoch zumeist ein Auge zu. Hier verdirbt die Polizei in der Regel nicht die Feierlaune, was lärmempfindliche Anwohner zumeist bedauern. Fahnen und Schals dagegen sind erlaubt, solange sie nicht die Sicht verdecken oder Passanten gefährden. Das ist immer dann der Fall, wenn Fahnen seitlich weit herausragen.

Grundsätzlich muss der Fahrer dafür sorgen, dass seine Sicht und sein Gehör nicht beeinträchtigt sind, die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung und Besetzung nicht leidet und das Kennzeichen stets gut lesbar ist. Aber auch hier gilt: Bei einem kurzzeitig durch eine zu groß geratene Fahne unlesbaren Kennzeichen werden die Ordnungshüter nicht gleich zur Spaßbremse mutieren.

Bei schweren Verstößen wird die Polizei einschreiten

Bei schweren Verstößen, die die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährden, wie z. B. dem Überschreiten der 0,5-Promille-Grenze durch den Fahrer oder der Nichtbeachtung polizeilicher Anweisungen ist jedoch mit einem Einschreiten der Ordnungshüter zu rechnen. Dann kann es für den Betroffenen teuer werden, schlimmstenfalls riskiert er seinen Führerschein. Wer Zeichen eines Polizeibeamten nicht befolgt, ist schnell 50 Euro los und hat drei Punkte mehr auf dem Konto. Auch das Überfahren einer roten Ampel kann teuer werden und neben vier Punkten sogar ein Fahrverbot einbringen. Mit Null-Toleranz der Polizei sollten Fans erst recht bei Alkohol und Drogen rechnen. Wer gegen die 0,5-Promille-Grenze verstößt, riskiert mindestens 500 Euro Geldbuße und ein Fahrverbot. Passiert ein schwerer Fahrfehler oder kommt es zu einem Unfall, droht schon ab 0,3 Promille ein handfestes Strafverfahren wegen Trunkenheitsfahrt mit hoher Geldstrafe und Entziehung der Fahrerlaubnis.

Im Falle eines Unfalls riskieren allzu launige Teilnehmer eines Autokorsos sogar den Verlust des Versicherungsschutzes. Zwar haftet grundsätzlich die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers – auch gegenüber Mitinsassen. Wenn allerdings die Verletzung im Zusammenhang mit der Nichtbeachtung von Verkehrsvorschriften steht, kann einem die Versicherung ein Mitverschulden oder teilweises Mitverschulden an den eigenen Verletzungen entgegenhalten, wodurch die Versicherungsansprüche gemindert sein können.

Fazit

Wer sich einem Autokorso anschließt, gibt die Verantwortung für eigene Sorgfalt im Straßenverkehr nicht ab. Auf Nummer sicher geht daher, wer angeschnallt bleibt und auf waghalsige Aktionen wie das Herauslehnen aus dem Fenster und dem Mitfahren auf der Motorhaube verzichtet. Fahnen und Devotionalien sollten die Sicht auf das Verkehrsgeschehen nicht behindern.

Der Verfasser, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Christian Demuth, wünscht allen Fußballfans viel Freude bei der EM 2012!