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Gefängnisstrafe für einen ehrlichen Zeugen


Wie schnell unbescholtene Bürger die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen können, darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrem Internetauftritt. Demnach saß ein Nürnberger gut vier Wochen unschuldig hinter schwedischen Gardinen. Wegen eines Unfalls, der so nie stattgefunden hat, und weil eine eifrige Staatsanwältin den Worten des Mannes keinen Glauben schenken wollte.

Der Familienvater befand sich zusammen mit einem Arbeitskollegen in einem Firmenwagen auf dem Weg zu einem Kunden. Auf dieser Fahrt soll der Arbeitskollege, der den Wagen fuhr, einen Unfall herbeigeführt haben. Der Schaden an dem demolierten Wagen belief sich auf 2500 Euro. An einen solchen Vorfall konnten sich jedoch weder der in der Folge wegen einer möglichen Fahrerflucht angeklagte Arbeitskollege noch der Nürnberger erinnern. So gab er denn vor Gericht als Zeuge an, dass er zu der in Rede stehenden Zeit mit im Fahrzeug unterwegs war, allerdings keinen Unfall bemerkt habe.

Ein ebenfalls vom Gericht berufener Zeuge gab jedoch zu Protokoll, im Führerhaus des Unfall-Fahrzeugs habe zur besagten Zeit nur eine Person gesessen. Da die Staatsanwältin diesem Zeugen offensichtlich mehr Glauben schenkte, als dem 43 Jahre alten Familienvater, wertete sie die Einlassung des Nürnberger als Falschaussage und unterstellte ihm, er wollte so lediglich seinen Kollegen schützen. Das hatte weitreichende Folgen für den Mann: Da er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft und des Gerichts nicht mit der Wahrheit rausrücken wollte, wurde er wegen des "dringenden Verdachts der uneidlichen Falschaussage" noch im Gerichtssaal verhaftet.

Wirklich peinlich wurde es für das OLG Nürnberg und besagte Staatsanwaltschaft jedoch knapp vier Wochen später, als ein Laborergebnis den Unschulds-Beweis für den Mann lieferte. Laut Laborergebnis waren der Familienvater und sein Arbeitskollege in keiner Weise in einen Unfall verwickelt. Die Kinder des Mannes mussten also fast einen Monat lang auf ihren Vater verzichten, nur, weil dieser vor einem deutschen Gericht die Wahrheit gesagt hatte. Nun will der Mann auf Zahlung einer Entschädigung klagen, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrem Internetauftritt www.sueddeutsche.de berichtet.