Fotos: photowahn, Gerhard Seybert, B. Wylezich, Steffen Eichner - alle fotolia.com

  • Fahrerflucht

Entfernen vom Unfallort nicht immer Fahrerflucht


Baut ein Fahrzeugführer einen Unfall und fährt weiter, weil er von dem Unfallgeschehen nichts mitbekommen hat, handelt es sich nicht unbedingt um Fahrerflucht. Das hat das Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf entschieden (Az.: III-2 Ss 142/07-69/07 III).

In dem Fall streifte ein Lkw während der Fahrt ein am Straßenrand abgestelltes Fahrzeug. Da der Lkw-Fahrer den Vorfall nicht bemerkte, fuhr er weiter. Ein anderer Verkehrsteilnehmer hatte den Unfall jedoch beobachtet und versucht, den Lkw-Fahrer mit Lichthupe und Hupe zum Anhalten zu bewegen. Als dieser etwa drei Kilometer später die die Zeichen bemerkte, stoppte er sein Fahrzeug. Das half ihm vorerst jedoch wenig. Das Amtsgericht verurteilte den Mann wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort (§ 142 StGB) zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 56 EUR sowie wegen fahrlässigen Verstoßes gegen § 1 Abs. 2 StVO (Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet, behindert oder belästigt wird) zu einem Bußgeld in Höhe von 35 EUR.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf sprach den Man vom Vorwurf der unerlaubten Entfernens vom Unfallort jedoch frei. Wer sich unvorsätzlich von einer Unfallstelle entfernt, begeht keine Straftat nach § 142 StGB (Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort). Die dort geforderte Duldungs- und Wartepflicht besteht nur, wenn der Unfallbeteiligte in räumlichen und zeitlichen Zusammenhang von dem Unfall erfährt. Der Unfallbeteiligte darf sich dabei nicht schon so weit von der Unfallstelle entfernt haben und es darf noch nicht so viel Zeit verstrichen sein, dass an dem inzwischen erreichten Ort feststellungsbereite Personen nicht mehr zu erwarten sind. Das war hier jedoch der Fall.