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Sperrfrist kann verkürzt werden


Wird einem Autofahrer wegen Trunkenheit im Verkehr die Fahrerlaubnis entzogen und wird für die Neuerteilung eine Sperrfrist bestimmt, so gibt es bestimmte Ausnahmen, wonach die Dauer der Sperre abgekürzt werden kann.

Eine Abkürzung der Fahrerlaubnis-Sperre kann beispielsweise erfolgen, wenn sich Grund zu der Annahme ergibt, der Täter sei zum Autofahren nicht mehr so lange, wie bisher im Urteil festgeschrieben wurde, ungeeignet. Ein solcher Grund kann etwa die Teilnahme an einem Aufbauseminar für alkoholauffällige Kraftfahrer (früher „Nachschulung“ genannt) sein. Diese Kurse mit Namen wie „Mainz 77“, „Freyung“, „Leer“ oder auch „I.R.A.K.“ werden zum Beispiel beim TÜV veranstaltet.

Gesetzlich verankerte Aufbauseminare benötigen dabei mindestens 14 Zeitstunden, also einen Zeitraum von etwa drei bis vier Wochen. In der Regel werden in ein solches Seminar nur Trunkenheitstäter mit bis zu maximal 1,99 Promille Blutalkoholkonzentration aufgenommen. Die Kosten betragen rund 400 Euro. Im Kurs finden keine Prüfungen oder Tests statt. Die Teilnehmer sollen in Gruppengesprächen eine realistische Einschätzung der Alkoholgefahr und Möglichkeiten eines kontrollierten Alkoholkonsums erarbeiten und entwickeln eine vernünftige Verhaltensplanung, mit der zukünftig Trunkenheitsfahrten vermieden werden können. Daneben erfährt man Wichtiges zum Alkohol und dessen Wirkungen im Straßenverkehr auf die Fahrtüchtigkeit.

Am Ende der letzten Sitzung erhält der Teilnehmer eine Teilnahmebescheinigung, die er in der Gerichtsverhandlung oder bei einem nachträglichen Antrag auf Sperrfrist-Abkürzung nutzen kann. Hierauf kürzen etwa in Frankfurt am Main Staatsanwaltschaften und Gerichte Sperrfristen regelmäßig um zwei Monate ab. Vielen Betroffenen scheint die Möglichkeit einer Sperrfrist-Kürzung dabei gar nicht bekannt zu sein: Derzeit nutzen nur rund zwei Prozent der Trunkenheitsfahrer diese Option.